„Ich hätte gar nicht für möglich gehalten, dass man in einem so kleinen Rahmen auf so viele engagierte Menschen trifft.“ – Gespräch mit fünf Bundessprecher*innen der AWO-Freiwilligen im FSJ und BFD über ihre Erwartungen an die AWO und die Politik

Bei der AWO engagieren sich jedes Jahr etwa 5.000 Freiwillige im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) oder Bundesfreiwilligendienst (BFD). Sie unterstützen soziale Einrichtungen, erleben gemeinsame Seminare und haben auch die Möglichkeit, als Sprecher*innen aktiv zu werden und so für die Anliegen der Freiwilligen einzutreten. Dazu wählen die einzelnen Seminargruppen Sprecher*innen, die sich auf der regionalen Ebene in einem Gremium zusammenfinden. Aus diesem werden dann wiederum jeweils 2 Vertreter*innen für den Sprecher*innenrat auf Bundesebene gewählt. Dort werden Themen und Anliegen der AWO-Freiwilligen aus allen Regionen zusammengetragen und in Arbeitsgruppen bearbeitet.

Die Bundessprecher*innen des Jahrgangs 2020/21 haben u.a. ein Instagram-Account ins Leben gerufen und eine Postkarte an alle AWO-Freiwilligen verschickt, um ihnen für ihr großes Engagement im FSJ und BFD zu danken – gerade unter den schwierigen Bedingungen dieses „Corona-Jahrgangs“. Andere Projekte wurden begonnen, wie etwa ein Forderungsschreiben zur Vereinheitlichung des Taschengeldes. Das war zunächst mit viel Recherchearbeit verbunden (Wie setzt sich das Taschengeld zusammen? Warum gibt es je nach Einsatzbereich unterschiedliche Ressourcen?). Auch eine Umfrage unter den Freiwilligen gehörte dazu. Das Forderungsschreiben und ein paar weitere Projekte haben die Sprecher*innen dieses Jahrgangs noch nicht ganz zu Ende gebracht. Dafür haben Sie das „goldene Buch“ erfunden. Darin sind alle Projekte dokumentiert, damit die nachfolgenden Generationen daran anknüpfen und weiterarbeiten können.

Mit fünf Bundessprecher*innen habe ich mich zum Ende ihres Freiwilligendienstes getroffen, um mit ihnen über ihre Erwartungen an die AWO und die Politik zu sprechen. Was wünschen sie sich für künftige Freiwillige?

Jonathan: Von der AWO würde ich mir eine starke Vernetzung wünschen. Es wäre zum Beispiel schön, wenn es öfter Wiedersehenstreffen geben würde, oder man immer mal wieder die alten Freiwilligen oder Sprecher*innen anfragt – z.B. für Veranstaltungen, wo man uns gut gebrauchen kann oder für ein Treffen der Genrationen, einfach zum Austausch.
Von der Politik wünsche ich mir, dass die Freiwilligendienste stärker wahrgenommen werden. Beispielsweise werden freie Bahnfahrten für Angehörige der Bundeswehr als Erfolg gefeiert, wobei mir unklar ist, warum das so schnell durchgekommen ist. Dagegen kämpfen die Freiwilligen schon lange für ein kostenloses ÖPNV-Ticket. Dazu hört man leider gar nichts und ich habe davon auch nichts in den Wahlprogrammen gelesen. Das finde ich enttäuschend. Die Wahrnehmung dafür, dass wir als Freiwillige den Menschen in diesem Land durch unseren Einsatz sehr viel helfen, die müsste gesteigert werden.

Magdalena: Das war  mehr oder weniger das Grundthema von allen unseren Projekten – die Wertschätzung. Das steht hinter unserer Dankes-Postkarte an alle Freiwilligen, hinter der Forderung nach einem Freiwilligenticket oder nach einem höheren Taschengeld. Wenn man sagt, man macht nach der Schule ein FSJ, dann fragen erst einmal alle „Ah, ok, freiwillig? Und was verdienst du da?“. Es ist gar nicht im Bewusstsein der Leute, wieviel Herz man da reinsteckt, wieviel Energie man gibt. Viele wissen nicht genau, was ein FSJ ist. Es ist etwas Soziales und ich glaube, soziale Berufe sind in unserer Gesellschaft eher nicht so angesehen. Es wäre schön, wenn es da mehr öffentliche Unterstützung von gesellschaftlichen Führungspersonen gäbe, einfach dadurch, dass der Freiwilligendienst mehr thematisiert wird. So wie der Zivildienst früher, der war viel etablierter, das hat man halt einfach gemacht.

Melissa: Ich muss gestehen, dass ich bis zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung gar nicht wusste, dass ich ein Taschengeld bekomme. Ich wollte mich trotzdem in diesem Kindergarten engagieren. Aber ich würde auch sagen, die AWO sollte sich die Unterschiede in den Taschengeldhöhen wirklich mal anschauen.
Was die Politik angeht, schließe ich mich den anderen an. Die Aufmerksamkeit sollte größer sein und die Wahrnehmung: da sind junge Menschen, die haben Bock was zu tun, dann sollten wir die auch unterstützen. Und das einfachste, was sie tun könnten, wäre ein kostenloses ÖPNV-Ticket für Freiwillige einzuführen, um zu sagen „Ihr dürft fahren, wohin ihr wollt“ – im eigenen Bundesland, das würde ja schon reichen. Und natürlich auch, um kostenlos zur Einsatzstelle zu kommen.

Verena: Von der Politik wird immer betont, wir seien die Generation der Zukunft und man muss uns fördern, Bildungsoffensive, bli-bla-blubb. Und wenn man dann auf soziale Berufe schaut, die ja wirklich gebraucht werden und für die man händeringend nach Nachwuchs sucht, dann ist es mir unverständlich, wie wenig politische Anerkennung zum Beispiel für FSJler rüberkommt und dass da häufig immer noch ein Bild von der billigen Hilfskraft vorherrscht – wie manche Freiwillige berichten, leider zum Teil auch in der eigenen Einrichtung.

Paula: Auch ich würde mir politisch wirklich mehr Anerkennung wünschen. Ich habe das Gefühl, dass auf uns als junger Generation eine große Last liegt, die Zukunft besser zu machen und dass wir auf der anderen Seite wenig wertgeschätzt werden, zum Beispiel wenn wir einen Freiwilligendienst machen. Das ist schon schade, weil es ja eine super Sache ist nach der Schule, um Erfahrungen zu sammeln, selbst dann, wenn man wie ich beruflich in eine andere Richtung gehen will. Ich würde jetzt nach meinem FSJ sagen, ich würde es definitiv noch mal machen! Und da finde ich schade, dass das so ungesehen ist.

Und über den Freiwilligendienst hinaus – was sind für die Sprecher*innen die Themen, die die nächste Bundesregierung unbedingt angehen muss?

Verena: Das ist für mich ganz klar das Thema Nachhaltigkeit und grüner werden. Das ging mir in letzter Zeit sehr nahe. Die Überschwemmungen und die ganzen Waldbrände schockieren mich gerade sehr! Mir war auch schon vorher der Klimawandel sehr bewusst, aber seit diesem Jahr kriege ich echt Angst.

Paula: Da schließe ich mich an. Ich glaube das sieht gerade jeder, dass der Klimaschutz das Riesenthema ist. Es wird so deutlich, man hört eigentlich nur noch Schreckensnachrichten.
Aber auch Schulen und Digitalisierung sind ein Bereich, wo unheimlich viel gemacht werden muss. Ich finde (zumindest in Berlin) das Schulsystem total veraltet – ich nehme an, dass das in anderen Bundesländern ähnlich ist. Schule ist immer noch wie vor 50 Jahren. Ich finde, es ist die Zeit gekommen, Grundlegendes zu verändern.

Magdalena: Man hat dieses Jahr mit Corona gemerkt, wieviel sich die Politik für die ältere Generation einsetzt. Für die junge Generation wird einfach momentan nicht viel gemacht. Ich bereite mich z.B. gerade auf mein Studium vor und es ist krass, dass da immer noch gar keine Informationen da sind, wie das jetzt weitergehen soll. Oder auch in den Schulen, wie soll das funktionieren, dass die Schulen nach den Ferien wieder aufmachen können? Ich finde, die Bedürfnisse der jungen Generation, das sollte jetzt einfach ein großes Thema werden.

Melissa: Wir mussten jetzt wirklich so lange zurückstecken seit das 2020 losging – bei allem. Da war nix mit Freunde treffen, feiern gehen etc. und gefühlt war die Jugend trotzdem immer der Buhmann. Die ‚böse Jugend‘, die die Parks schmutzig hinterlässt und sich für nichts interessiert, obwohl das vielleicht nur 5% der Leute sind.

Paula: Mir ist noch etwas eingefallen, was zwar schon passiert, was ich aber gerne noch verstärkt sehen möchte und zwar, dass in der EU etwas gegen die homophoben Aktivitäten in Ungarn und Polen unternommen wird. Da sollte viel mehr und schneller gehandelt werden. In der EU sollten keine Menschen verfolgt oder ausgegrenzt werden können, nur weil sie eine andere Sexualität haben.

Jonathan: Ich halte den Klimaschutz für zentral. Es mangelt ja nicht an Konzepten, etwas zu ändern, aber am Willen. Außerdem finde ich auch das Thema Bildung ziemlich wichtig. Wie Paula schon sagte, ist da vieles sehr veraltet. Man sieht die Schule immer noch als Instanz der Wissensvermittlung, obwohl Wissen heute grenzenlos zur Verfügung steht und man uns vor allem das Lernen an sich beibringen müsste. Es herrschen immer noch viele falsche Rahmenbedingungen, gerade für junge Leute.

Beitrag von Tina Stampfl

FSJ im AWO Wohnheim Püttlingen

Die Arbeit mit Menschen mit Behinderung war für mich absolut neu.mehr

BFD im House of Life

Franziska leistet einen Bundesfreiwilligendienst im House of Life, einer Pflegeeinrichtung für jüngere Menschen in Berlin-Kreuzberg.mehr

BFD bei Floh (AWO Mannheim)

Ich habe in meiner Bfd-Zeit viel im Umgang mit Kindern und Kollegen gelernt und das war die richtige Entscheidung für meinen Lebensweg.mehr

Video: FSJ in der Kita / Pflege

Mit dem FSJ kannst Du Dir Zeit nehmen, um Erfahrungen zu sammeln und Dir so über Deine beruflichen Zukunftspläne bewusst werden.mehr

FSJ an einer Grundschule

"Die Seminarwochen und Ausflüge trugen dazu bei, dass mir diese Zeit unvergesslich bleibt. Damals wusste ich noch nicht, wie sehr mich diese Zeit prägen würde."mehr

BFD in der AWO Akademie Saar

"Wir haben uns in den Seminaren mit wichtigen Themen auseinandergesetzt, mit denen man als junger Mensch zum ersten Mal in Berührung kommt."mehr

FSJ/BFD in Corona-Zeiten

„Es war und ist eine sehr spannende Zeit für mich: von heute auf morgen haben sich meine Tätigkeiten komplett verändert“.mehr

Ermäßigungen für Freiwillige

Unter www.fuer-freiwillige.de sammeln Freiwillige Orte, an denen sie gegen Vorlage des Freiwilligenausweises Ermäßigungen erhalten.mehr

BFD im Seniorenzentrum

Im Artikel des Magazins „ECHT“ wird über den Kontakt zwischen Lucas und den Bewohner*innen des Seniorenzentrums berichtet.mehr

FSJ im AWO Seniorenhaus

"Besonders schön fand ich die Herzlichkeit und Dankbarkeit der Bewohner und Bewohnerinnen, sowie das Vertrauen, das mir von allen Seiten entgegengebracht wurde."mehr

FSJ im Kinder- und Elternzentrum

"Mein FSJ hat mich so vieles gelehrt. All das hätte ich in meinem Studium so nie erfahren können."mehr

FSJ Kinder- und Jugend-Tagesgruppe

"Das FSJ ist meiner Meinung nach eine tolle Möglichkeit, seinen Weg für die Zukunft zu finden."mehr

FSJ in einer Kita

"Ich bekam Einblicke in verschiedene Bereiche und konnte mit der Zeit feststellen, was mir besonders gut liegt, aber auch was mir nicht so gut liegt."mehr

FSJ in einer Jugendwohngruppe

"In der Einsatztselle wurde ich herzlich aufgenommen. Das Arbeitsklima war schon fast familiär und die Jugendlichen akzeptierten und respektierten mich schnell."mehr

BFD in der Flüchtlingshilfe

"Mit den Menschen direkt zu arbeiten, für ihr Wohl zu sorgen, mit ihnen über ihr Fluchterlebnis zu sprechen – das macht mir am meisten Freude."mehr

BFD in einer Mittelschule

„Die Schüler haben ein großes Herz, daher hat es immer Spaß gemacht mit ihnen Zeit zu verbringen"mehr

Freiwilligendienste-Fachtagung 2019

Zwei Tage lang tauschten sich die AWO-Kolleg*innen zum Aktionjahr aus, diskutierten miteinander und nahmen wichtige Impulse für die eigene Arbeit mit.mehr

BFD im Engagement Zentrum

Carina Förster, die das Team des Neuköllner EngagementZentrums durch ihren Bundesfreiwilligendienst unterstützt hat, berichtet von ihren Aufgaben und Erfahrungenmehr

Video: BFD im Nachbarschaftstreff

Rami Dahbour kam im August 2015 als Geflüchteter aus Syrien nach Deutschland und arbeitet jetzt im AWO Nachbarschaftstreff. Eingestiegen ist er über einen BFD.mehr

Video: Freiwillig mehr erleben

Wie entwickeln sich junge Menschen während ihrer 12 Monate Freiwilligendienst persönlich weiter? Was nehmen sie bei der AWO für ihren weiteren Lebensweg mit?mehr

FSJ im Krankenhaus

"Eigentlich kann ich gar nicht beschreiben, wie sehr mich das FSJ im Krankenhaus bereichert hat."mehr

Projektarbeit: Idee und Durchführung

Die Freiwilligen in Thüringen haben sich selbst Projekte ausgedacht und diese umgesetztmehr

FSJ in einer Behindertenwerkstatt

Friederike hat viel über sich und und den Umgang mit anderen gelernt.mehr

Die Projekte vor Ort

Im Rahmen des Aktionsjahres führen unsere Träger vor Ort besondere Aktivitäten mit den Freiwilligen durch.mehr

Film zur AWO-Geschichte

Die feiert 2019 ihr 100jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass wurde ein neuer Film zur Geschichte der AWO erstellt.mehr

Video: Mein Freiwilligendienst

Freiwillige berichten von ihrer Motivation und ihren Erfahrungen in der Praxis.mehr

Trickfilm Paul und Lena
Video: Paul & Lena

Paul & Lena beschreiben, was ein Freiwilligendienst ist und was alles so überraschendes passieren kannmehr

Seminarthema soziale Ungleichheit

Pädagog*innen der AWO Freiwilligendienste besuchen eine Fortbildung zu sozialer Ungleichheitmehr

FSJ im Frauenhaus Saarbrücken

Helena berichtet über ihr FSJ im Frauenhaus der AWO in Saarbrückenmehr

BFD beim Mobilen Sozialen Dienst

Niklas hat im Jahrgang 2017/2018 einen Bundesfreiwilligendienst bei einem Mobilen Sozialen Dienst der AWO in Baden-Baden gemachtmehr