Mit Kampfgeist und Durchhaltevermögen zum Freiwilligendienst

Franziska leistet einen Bundesfreiwilligendienst im House of Life, einer Pflegeeinrichtung für jüngere Menschen in Berlin-Kreuzberg. Ihr Weg zum BFD war mühsam, denn auf Grund ihrer Behinderung haben viele Träger und Einrichtungen sie als Freiwillige abgelehnt. Dank Kampfgeist, Durchhaltevermögen und einer engagierten Koordinatorin fand sie schließlich doch die passende Einsatzstelle.

Wer Franziska durch die bunt bemalten Gänge ihrer Einsatzstelle begleitet, merkt, dass sie sich hier wohl fühlt. Sie grüßt rechts und links, hält ein kurzes Schwätzchen und hat für alle ein offenes Lächeln parat. Seit knapp einem Jahr engagiert sie sich als Freiwillige im Betreuungsbereich des House of Life, einer Einrichtung für jüngere Menschen, die aufgrund schwerer Erkrankungen und Behinderungen umfassende Pflege und Betreuung benötigen. Franziska nimmt sich Zeit für die Bewohner*innen, liest ihnen vor, spielt mit ihnen oder begleitet sie zum Plausch nach draußen.

Für einen Freiwilligendienst hat sich Franziska aus einem ganz speziellen Grund entschieden: „Ich wollte Soziale Arbeit studieren, war mir aber nicht sicher, ob mir dieses Arbeitsfeld überhaupt liegt. Da kam ich auf die Idee, das in einem Freiwilligendienst auszuprobieren“. Dass der Weg zur passenden Einsatzstelle so holprig wird, hat sie nicht vermutet.

„Du sitzt selbst im Rollstuhl, wie willst du da andere Menschen unterstützen?“

Viele Träger und Einrichtungen, die Franziska kontaktierte, reagierten mit Unverständnis: „Es wurde gesagt: Wie, du möchtest ein FSJ im sozialen Bereich machen? Du sitzt selbst im Rollstuhl, wie willst du da andere Menschen unterstützen?“. Doch Franziska bewies Kampfgeist und gab die Suche nicht auf, bis sie auf Melanie Thoma vom AWO Landesverband Berlin traf, die ihr schließlich zur passenden Einsatzstelle verhalf. Die pädagogische Koordinatorin findet, dass sich Einrichtungen weiter öffnen sollten für Freiwillige mit Behinderung: „Eine Behinderung muss kein Nachteil sein, sie kann auch ein Vorteil sein. Schließlich bringen diese Freiwilligen spezifische Erfahrungen mit, die andere nicht haben“.

„Das Schönste ist das Vertrauen und die Akzeptanz“

Besonders gut an ihrem Einsatz gefällt Franziska die Nähe zu den Menschen in der Einrichtung, zu denen sie über die Monate ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat. Den BFD empfindet sie als große Bereicherung: „Hier habe ich zum ersten Mal gelernt, wie es in so einem Arbeitsapparat ist, in dem ich mir selber meinen Weg suchen muss. Und wo ich gleichgestellt bin mit allen anderen Kolleg*innen, egal ob ich jetzt diesen Rollstuhl habe oder nicht“.

Mit Hürden muss man offen umgehen

Im Rahmen ihrer Tätigkeit begegnen ihr aber auch Hindernisse. So war z.B. die Unterkunft in einem Bildungszentrum des Bundes für ein Seminar nicht rollstuhlgerecht. In so einem Fall ist es für sie wichtig, das Problem offen und ehrlich anzusprechen. So können Träger und Einsatzstelle aus den Erfahrungen direkt lernen. Franziska ist selbst die beste Expertin für ihre Behinderung, daher lautet ihre Devise: „Lieber mehr Fragen stellen als zu wenig. Dann vermeidet man Missverständnisse und schwierige Situationen. Man kann ja einfach fragen: Passt das so für dich? Können wir da noch was machen, oder weißt du vielleicht noch andere Alternativen?“.

Das Interview mit Franziska wurde am 18. Oktober geführt.

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